Manfred Kühl - Naturfotografien

Gedanken zu "KI und Fotografie"

Die Fotografie hat mich in meinem bisherigen Leben immer begleitet. Ich war stehts auf der Suche nach Schönheit und Harmonie und wartete oft lange auf den einmaligen und besonderen Augenblick. Egal ob in der Natur- und Landschaftsfotografie, der Architektur- und Personenfotografie, das Erlebnis und die Gestaltung standen für mich immer im Vordergrund.

Als ich vor einigen Monaten einen Einblick in die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz bei der Fotografie bekam, war ich erschrocken. Ich sah, wie auf Großrechnern Bilder nach Sprachanweisungen generiert wurden, die von realen Fotos fast nicht mehr zu unterscheiden waren. Ich sah, wie aus drei Fotos und einigen Textanweisungen ein kompletter Film mit Handlung entstand. Ich erlebte auch, wie aus wenigen Portraitfotos einiger Models und einer Reihe einfach fotografierter Kleider ein ganzer Modekatalog mit Actionfotos entstand.

Ist das das Ende die Fotografie? Ich hatte fast die Freude an der Fotografie verloren.

Inzwischen bin ich jedoch sicher, die Fotografie im ursprünglichen Sinn wird bleiben. Wir müssen uns nur klarmachen, warum wir fotografieren. Es geht bei der Fotografie nicht nur um das fertige Bild, es geht auch um das Erlebnis, dass zu dem Bild führte. Es geht auch um die Erinnerungen, die wir mit dem Bild verknüpfen. Wer in Vollmondnächten zu einem kleinen Bergsee aufsteigt, um nach mehreren Versuchen schließlich mit einer gelungenen Fotografie nach Hause kommt, wer nach vielen Versuchen es geschafft hat, eine Hummel vor der Landung bei Sonnenuntergang auf einer heimischen Orchidee zu fotografieren wird verstehen, was ich meine. Der wird verstehen, welche Glücksmomente und Erinnerungen mit einer Fotografie verknüpft sein können.

Ich bin stolz darauf, dass alle meine Bilder ohne KI-Unterstützung entstanden und bearbeitet sind. Fast alle meiner Bilder wurden im RAW-Format aufgenommen und nur mit Methoden bearbeitet, die auch schon früher in Fotolaboren bei der analogen Fotografie angewendet wurden. In analogen Laboren wurden hauptsächlich Helligkeit und Kontrast korrigiert, durch „Abwedeln“ und Nachbelichten bestimmte Bildbereiche abgedunkelt oder aufgehellt. In Farblaboren konnten bereits Farben und Stimmungen beeinflusst werden; mehr jedoch nicht!

Genau das führe ich bei meinen digitalen Bildern durch, aber nicht mehr.

KI-Bearbeitungen, wie Austausch von Bildbereichen, KI-generierte Bildelemente und ähnliches lehne ich grundsätzlich ab. Das kann beim professionellen Erstellen von Abbildungen Geld und Aufwand sparen, ob es zur Steigerung der Qualität und Kreativität beigeträgt, ist zu bezweifeln. KI generierte Bilder haben in der Fotografie nichts so suchen. Vielleicht sind sie eine eigene Kunstgattung, aber keine Fotokunst! KI Bilder sollten immer als solche gekennzeichnet sein.

Wer jedoch glaubt, bei Ausstellungen ober Wettbewerben mit KI generierten oder gekauften Bildern überzeugen zu können sollte sich unbedingt eine neue Freizeitbeschäftigung suchen.

 

nach oben